Schule bei den Schotten

Die Schule bei den Schotten war eine mittelalterliche Klosterschule im Wiener Schottenkloster, die seit dem 14. Jahrhundert bestand.

Die erste Erwähnung von Schülern im Schottenkloster stammt aus dem Jahr 1310. In einer Urkunde vom 5. Februar 1310 stiften Chvnrat der Hubmeister in Österreich und seine Hausfrau Geysel einen Jahrtag im Schottenkloster, an dem nach ihrem Tod für sie die Seelenmesse und die langen Vigilien gehalten werden sollen. Sie sollen „gesungen werden von den priestern vnd von den schulern nach alter gewonhait […] Man schol auch den schulern in der vigili einen Emmer weins geben von dem chloster.“ Chunrat der Hubmeister, Sohn des oben genannten Chvnrat, stiftete am 7. Juni 1330 einen Jahrtag: „[…] vnd schol daz geschehen mit selmessen, mit langen vigilien, di dezselben tages von den herren mitsampt den Schulern nach alter gwonhait suln gesungen werden in aller der mazz, als iz meinem vater vnd meiner můter, den paiden got gnad, in irm geschaeftprief emaln auch verschriben ist, vnd schol auch der apt dezselbens tages der Samnung zwo guet richt von vischen geben zv irr pfruend vnd dez pesten weinz vnd protez, so iz daz Chloster hat, swaz ir notturf bedarf. Man schol auch den Schulern von dem Chloster in di vigili geben ainen Emer weinz vnd dem Schuelmaister vier vnd zwaintzich phenning vnd dem Mesner zwelf phenning.“
In der folgenden Zeit verfiel mit dem Klosterleben auch die Schule. Ob sie ununterbrochen weiterbestand, lässt sich nicht sagen. Im Stiftsbrief für die Universität Wien von 1384 wurden nur die Schulen bei Sankt Stephan, bei Sankt Michael und im Spital erwähnt. Einen neuen Aufschwung gab es erst nach 1418. In diesem Jahr fand im Zuge der Melker Reform eine Visitation des Klosters statt. Durch eine päpstliche Bulle wurden die Mönche verpflichtet, nicht nur Iroschotten, sondern auch Mönche anderer Nationen aufzunehmen. Die Iroschotten verließen daraufhin das Kloster. Die beiden folgenden Äbte stammten aus Stift Melk und führten die Reform im Schottenkloster ein. Bei der Visitation 1431 wurde festgelegt, dass die „scolares saeculares“ nicht zum Chorgebet herangezogen werden dürfen. Der Rektor sollte allerdings mit ihnen die „Missa publica“ singen. Der Unterricht sollte in einem Raum außerhalb des Konvents, getrennt von der inneren Schule, stattfinden. Die Schüler dürfen die Zellen der Mönche nicht betreten. Bei der Visitation wurde auch die Wiederherstellung der inneren Schule gefordert. Die Novizen, die in den „scientiis primitivis“ noch nicht ausreichend gebildet sind, sollen durch einen Geistlichen in der Klausur unterrichtet werden. Dieser soll jeden Werktag wenigstens eine Vorlesung und die notwendigen Übungen halten. Wenn kein entsprechender Geistlicher gefunden wird, kann auch ein weltlicher Lehrer genommen werden. Es ist nicht bekannt, inwiefern diese Anordnungen auch umgesetzt wurden. Die Schule bei den Schotten wurde zwar vom Kloster erhalten, unterstand aber dem Rektor der Schule von Sankt Stephan. Dieser hatte seit 1296 die Oberaufsicht über die Wiener Schulen. 1446 wurde diese Oberaufsicht bestätigt, wobei ausdrücklich auch die Schule bei den Schotten genannt wurde. Der Rektor von Sankt Stephan durfte die Lehrer der anderen Schulen ernennen und sollte jede Schule viermal im Jahr besuchen. Abt Johann V. von Ochsenhausen (1428–1446) pflegte die Beziehungen zur Universität. Der Rektor der Universität, Urban von Melk, hielt mehrmals Vorlesungen im Schottenstift. Im Sommer wurden immer am Freitag zwei Brüder zu den theologischen Disputationen an die Universität geschickt. Sie sollten das Gehörte an den Konvent weitergeben. Mehrere Mitglieder des Stiftes besaßen auch akademische Grade. Abt Hieronymus (1461–1466) bat die theologische Fakultät, dass einige Professoren Vorlesungen im Schottenstift statt an der Universität halten. Als Vorbild hatte er wohl das Kollegium der Zisterzienser vor Augen. Doch die Fakultät lehnte ab. Man könne die Professoren nicht kontrollieren, außerdem könnte jedes andere Kloster dann die gleiche Forderung stellen. Durch die Türkenbelagerung 1529 kam die Schule im Schottenkloster zum Erliegen. Erst unter Abt Wolfgang Traunsteiner (1541–1562) ist sie wieder sicher nachweisbar.
Das Wiener Schottengymnasium beruft sich in seiner Geschichte auf diese Schottenschule. Dieses Gymnasium mit der offiziellen Bezeichnung Öffentliches Schottengymnasium der Benediktiner in Wien ist eine 1807 durch kaiserliches Dekret gegründete katholische Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht im 1. Wiener Gemeindebezirk. Es wird vom Schottenstift getragen.

Theodor Kullak

Theodor Kullak (* 12. September 1818 in Krotoschin bei Posen; † 1. März 1882 in Berlin) war ein deutscher Pianist, Klavierlehrer und Komponist.

Seinen ersten Klavierunterricht erhielt Kullak bei Albert Agthe in Posen. Im Alter von 8 Jahren erregte er die Aufmerksamkeit von Fürst Anton Radziwiłł, der es ihm ermöglichte, mit 11 Jahren zusammen mit der Sängerin Henriette Sontag aufzutreten. Sein Klavierspiel gefiel dem König und er erhielt eine Börse mit 30 Goldstücken. Fürst Radziwill sorgte dafür, dass Kullak eine Schulbildung in Züllichau erhielt. 1833 starb der Fürst. Nach des Vaters Willen musste er nun nach Berlin, um Medizin zu studieren und sich seinen Lebensunterhalt durch Musikunterricht zu verdienen. Der Graf Gustav Adolf Wilhelm von Ingenheim führte ihm Schüler zu und ermöglichte so, dass er bei Wilhelm Taubert Klavierunterricht und bei Siegfried Dehn Unterricht in Harmonielehre nehmen konnte.
Weitere Hilfe kam von hochgestellten Personen. Dieses Mal setzte sich die Ober-Hofmeisterin, Frau Hermine von Massow, für ihn ein. Es gelang ihr, König Friedrich Wilhelm IV. zu einem Geschenk von 400 Thalern zu bewegen, damit er seine Musikstudien fortsetzen konnte. 1842 kehrte er dem Medizinstudium den Rücken und reiste nach Wien.
Von 1842 bis 1843 studierte Kullak bei Simon Sechter, Otto Nicolai und Carl Czerny in Wien. Nach einer erfolgreichen Konzert-Tournee durch Österreich wurde er 1843 Klavierlehrer der Prinzessinnen und der Prinzen des königlichen Hauses in Berlin und erhielt 1846 den Titel eines königlichen Hofpianisten, der gut dotiert war. Er war der angesehenste Klavierlehrer seiner Zeit in Berlin.
1850 gründete er gemeinsam mit Julius Stern und Adolf Bernhard Marx das Stern’sche Konservatorium. Dieses verließ er im Jahre 1855, um die Neue Akademie der Tonkunst zu gründen, die er bis zu seinem Tode leitete. Sie war auf die Pianistenausbildung spezialisiert und war bald das größte deutsche Privatinstitut für Musikerziehung. Für den Unterricht verfasste er auch Schriftenreihen, wie
1880 feierte die Neue Akademie der Tonkunst ihr 25-jähriges Bestehen mit 100 Lehrern und über 1000 Schülern. Darunter befanden sich: Hans Bronsart von Schellendorf, Alfred Grünfeld, Erika Lie, Louis Maas, Martha Remmert, Emil Liebling, Edward Baxter Perry, Nikolai Grigorjewitsch Rubinstein, Neally Stevens, Constantin Sternberg, John Orth, August Hyllested, Adele Aus der Ohe, William Sherwood, Hans Bischoff, Moritz Moszkowski, James Kwast, Théo Ysaÿe sowie Xaver und Philipp Scharwenka.
Ihm folgte sein Sohn Franz Kullak nach, der der Akademie bis zu deren Auflösung 1890 vorstand.
Die Musik-Lexika jener Zeit berichten übereinstimmend, dass Kullak als der Erfinder der sogenannten Transkriptionen, d. h. Bearbeitungen von Liedern und Opernarien oder ganzen Szenen für Pianoforte, anzusehen sei.
Kullak komponierte neben etwa 130 sehr effektvollen Salonstücken eine Klaviersonate, eine Klaviersinfonie, ein Klavierkonzert sowie Werke für Klavier und Violine.

Robert Bartholow

Robert Bartholow oder Roberts Bartholow (* 28. November 1831; † 1904) war ein amerikanischer Arzt aus New Windsor, Maryland.
Bartholow erlangte seinen Abschluss in Medizin an der Universität Maryland im Jahre 1852. Von 1855 bis 1864 arbeitete er als Chirurg in der US-Armee. In den Jahren 1864 bis 1879 war er Professor am Medical College von Ohio. Anschließend wurde er Professor am Jefferson Medical College in Philadelphia.
Bekannt wurde Bartholow durch die Anwendung von elektrischem Strom auf die Dura mater einer Patientin. Im Jahre 1874 präsentierte Bartholow die 30-jährige Mary Rafferty, die ein im Durchmesser zwei Zoll großes Loch in ihrem Schädel hatte, dass durch ein krebsartiges Geschwür verursacht wurde. Durch Tierversuche von David Ferrier inspiriert, wendete Bartholow kleine elektrische Ströme auf verschiedene Bereiche von Raffertys Kopf an und bemerkte Bewegungen an verschiedenen Stellen des Körpers. Der elektrische Strom schien zudem keinerlei Schmerz bei der Patientin zu verursachen. Als Bartholow jedoch größere Stromstöße auf die Patientin anwendete, fiel diese ins Koma. Aus diesem Koma erwachte Rafferty zwar, erlitt jedoch am Folgetag einen epileptischen Anfall und verstarb.
Die American Medical Association kritisierte Bartholow für dieses Experiment. Seine berufliche Arbeit wurde dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. 1893 wurde er am Jefferson College emeritiert.

Dennis Chambers

Dennis Chambers (* 9. Mai 1959) ist ein amerikanischer Schlagzeuger, der zusammen mit John Scofield, Steely Dan, Santana, Mike Stern, den Brecker Brothers, Gonzalo Rubalcaba, Parliament/Funkadelic, John McLaughlin und vielen anderen spielte und Platten produzierte. Obwohl er nie eine formelle Ausbildung erhielt, wurde Chambers ein weltbekannter Jazz-/Fusion-Schlagzeuger und ist bekannt für seine exakte, kraftvolle Technik.
Bereits mit vier Jahren begann Chambers Schlagzeug zu spielen, und schon mit sechs trat er in der Gegend von Baltimore in Nachtclubs auf. Nach seinen eigenen Angaben übte er auf Kopfkissen, die erst ab einer gewissen Schlagkraft „klingen“, sowie auf einem seitenverkehrt aufgebauten Drum-Set, was ihn nun besonders flexibel macht. 1978 kam er zu George Clintons P-Funk-Band Parliament/Funkadelic und spielte mit ihnen bis 1985. Seither spielte er mit fast allen Größen der Fusion-Musik. Erwähnenswert ist vor allem die enge jahrelange Zusammenarbeit mit John McLaughlin, der ihn in einem Interview als seinen „brother in arms“ bezeichnete.
Zu Chambers‘ eigener Gruppe Niacin gehört der Bassist Billy Sheehan.

Helmut Grunsky

Helmut Grunsky (* 11. Juli 1904 in Aalen; † 5. Juni 1986 in Würzburg) war ein deutscher Mathematiker, der sich mit Funktionentheorie beschäftigte.

Nach dem Abitur am Realgymnasium Aalen studierte Grunsky ab 1922 Physik an der Technischen Hochschule Stuttgart und ab 1925 an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg, wo er 1927 als Diplomingenieur abschloss. Danach studierte er Mathematik an der Universität Berlin, wo er 1932 bei Ludwig Bieberbach promoviert wurde (Neue Abschätzungen zur konformen Abbildung ein- und mehrfach zusammenhängender Bereiche) und sich 1938 habilitierte (Koeffizientenbedingungen für schlicht abbildende meromorphe Funktionen. Mathematische Zeitschrift). Ab 1930 war er beim „Jahrbuch über die Fortschritte der Mathematik“, zuletzt 1935 bis 1939 als Schriftleiter. In dieser Funktion hat er immer wieder Artikel jüdischer Wissenschaftler publiziert. Als er schließlich deswegen u. a. von seinem Doktorvater Ludwig Bieberbach massiv angefeindet wurde, legte er 1939 die Leitung des Jahrbuchs nieder.
Am 1. April 1940 trat er aus unbekannten Gründen der NSDAP bei.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, während dessen er im Chiffrierdienst des Auswärtigen Amtes war, war er Gymnasiallehrer in Trossingen und ab 1949 Dozent in Tübingen (nachdem er schon 1942 Dozent in Gießen war). Über seine Entnazifizierung ist nichts bekannt. 1950/51 war er Gastprofessor am Washington State College in Pullman. 1954 wurde er außerordentlicher Professor in Mainz und 1958 ordentlicher Professor in Würzburg, wo er 1972 emeritierte. 1964/65 war er Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät. 1963/64 war er Gastprofessor an der Technischen Hochschule Ankara. 1973 und 1977/78 war er Research Consultant der Washington University in St. Louis und 1975 Gastprofessor der State University of New York in Albany.
Grunsky war durch seine Arbeiten über schlichte Funktionen bekannt. Die grunskyschen Ungleichungen charakterisieren die Koeffizienten schlichter Funktionen. Unter anderem gaben Charzynski und Schiffer 1960 damit einen „elementaren“ Beweis der Bieberbachvermutung für den vierten Koeffizienten und Pederson und Ozawa 1968 für den sechsten.
Er war Invited Speaker auf dem ICM in Cambridge, Massachusetts 1950 (Über Tschebyscheffsche Probleme).
Er war seit 1935 verheiratet und hatte drei Kinder.

Heine-Jahrbuch

Das Heine-Jahrbuch (HJb) ist ein literaturwissenschaftlich ausgerichtetes Periodikum, in dem hauptsächlich Beiträge zu Leben, Werk, Umfeld und Rezeption des Schriftstellers Heinrich Heine veröffentlicht werden.
Das HJb wurde erstmals für das Jahr 1962 vom Heine-Archiv der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf unter der Schriftleitung von Eberhard Galley herausgegeben und von Hoffmann und Campe in Hamburg verlegt. Das Jahrbuch bestand zunächst lediglich aus einer Reihe von Aufsätzen und dem Nachweis der im Vorjahr erschienenen Heine-Literatur. Im Laufe der Zeit gab es einige Veränderungen am ursprünglichen Konzept. Mit dem Jahrgang 12 (1973) wechselte die Herausgeberschaft zum neu gegründeten Heinrich-Heine-Institut, dessen erster Leiter Galley wurde. Im Jahrgang 13 (1974) kam es erstmals zur Veröffentlichung von Buchbesprechungen, gleichzeitig wurden die bisher eigenständig verbreiteten Mitteilungen der Heinrich-Heine-Gesellschaft in das Jahrbuch integriert. Seit dem Jahrgang 16 (1977) wurde das HJb von Joseph A. Kruse herausgegeben, der Galley als Direktor des Heine-Instituts nachfolgte. Seit Juni 2009 ist Sabine Brenner-Wilczek die Leiterin des Heinrich-Heine-Instituts und seit Erscheinen des Jahrbuchs 2010 die neue Herausgeberin.
Im Laufe der ersten Jahre nahm der Umfang des Jahrbuchs zu und die inhaltliche Gliederung wurde mehrfach differenziert. Auf die Aufsätze folgen nun meist „kleinere Beiträge“, oft ergänzt durch „Berichte“ oder Reden (beispielsweise der Heine-Preisträger). Das Heine-Institut informiert bei Bedarf über neue Bestände oder Aktivitäten, der Nachweis der Heine-Literatur des Vorjahres wurde um eine „Heine-Chronik“ erweitert, an deren Stelle später unter dem Titel „Heine heute“ eine Zusammenstellung von Pressenotizen trat. Insgesamt ist eine stärkere Einbeziehung der Heine-Rezeption über die Grenzen der Fachwissenschaft hinaus zu verzeichnen. Die von Galley bereits zu Beginn gewünschte Mitarbeit der Heineforscher und Heinefreunde in aller Welt (HJb 1962, S. 4) resultierte in einer recht bald über den deutschen Sprachraum hinaus reichenden Autorenliste, allerdings ist der Anteil der in englischer oder französischer Sprache veröffentlichten Beiträge insgesamt eher marginal geblieben.
Für die ersten 25 Jahrgänge (1962–1986) gibt es seit 1987 einen von Heinfried Heitmann bearbeiteten Registerband (ISBN 3-455-09024-9), der die Beiträge zum HJb unter anderem nach Verfassern, rezensierten Autoren, Orten, Personen und Titeln von Heines Werken erschließt.
Seit dem Jahrgang 34 (1995) erscheint das Heine-Jahrbuch im Verlag J.B. Metzler.

Moritz Busch

Julius Hermann Moritz Busch (* 13. Februar 1821 in Dresden; † 16. November 1899 in Leipzig) war ein deutscher Publizist, bekannt vor allem für seine Schriften über Bismarck.
Ab 1841 studierte er an der Universität Leipzig Theologie, promovierte aber als Doktor der Philosophie und widmete sich ab 1847 ganz dem Journalismus und der Literatur. Während seines Studiums wurde er 1842 Mitglied der Burschenschaft Markomannia Leipzig.
Als Anhänger der Deutschen Revolution 1848/1849 ging er nach deren Scheitern 1851 nach Nordamerika, kehrte aber bald enttäuscht nach Deutschland zurück und veröffentlichte einen Reisebericht. In den folgenden Jahren bereiste er ausgiebig den Orient und schrieb Bücher über Ägypten, Griechenland und Palästina, die er zum Teil für die 3. Sektion des Österreichischen Lloyd, auch als Reiseführer, verfasste. 1856–1864 und 1865–1870 war er Redakteur der Leipziger Grenzboten, 1864/65 arbeitete er als Presseagent des Herzogs Friedrich von Augustenburg.
1870–1873 war er einer von Bismarcks Presseagenten und begleitete ihn in dieser Funktion während des ganzen Deutsch-Französischen Kriegs. Direkt nach Bismarcks Tod veröffentlichte er dessen Ansuchen um Amtsentlassung vom 18. März 1890. 1873 wurde er Redakteur des Hannoverschen Kurier, 1878 Berliner Korrespondent der Grenzboten.
Busch übersetzte Romane von Charles Dickens, William Makepeace Thackeray, Mark Twain und anderen amerikanischen Humoristen ins Deutsche.

Moritz Busch

Julius Hermann Moritz Busch (* 13. Februar 1821 in Dresden; † 16. November 1899 in Leipzig) war ein deutscher Publizist, bekannt vor allem für seine Schriften über Bismarck.
Ab 1841 studierte er an der Universität Leipzig Theologie, promovierte aber als Doktor der Philosophie und widmete sich ab 1847 ganz dem Journalismus und der Literatur. Während seines Studiums wurde er 1842 Mitglied der Burschenschaft Markomannia Leipzig.
Als Anhänger der Deutschen Revolution 1848/1849 ging er nach deren Scheitern 1851 nach Nordamerika, kehrte aber bald enttäuscht nach Deutschland zurück und veröffentlichte einen Reisebericht. In den folgenden Jahren bereiste er ausgiebig den Orient und schrieb Bücher über Ägypten, Griechenland und Palästina, die er zum Teil für die 3. Sektion des Österreichischen Lloyd, auch als Reiseführer, verfasste. 1856–1864 und 1865–1870 war er Redakteur der Leipziger Grenzboten, 1864/65 arbeitete er als Presseagent des Herzogs Friedrich von Augustenburg.
1870–1873 war er einer von Bismarcks Presseagenten und begleitete ihn in dieser Funktion während des ganzen Deutsch-Französischen Kriegs. Direkt nach Bismarcks Tod veröffentlichte er dessen Ansuchen um Amtsentlassung vom 18. März 1890. 1873 wurde er Redakteur des Hannoverschen Kurier, 1878 Berliner Korrespondent der Grenzboten.
Busch übersetzte Romane von Charles Dickens, William Makepeace Thackeray, Mark Twain und anderen amerikanischen Humoristen ins Deutsche.

Polarstern

Der Polarstern ist der hellste Stern (α Ursae Minoris) im Sternbild Kleiner Bär (im Deutschen volkstümlich auch Kleiner Wagen genannt). Da seine scheinbare Helligkeit mit 2m relativ hoch ist und er nahe dem Nordpol des Himmels steht, ist er ein geeignetes Mittel zur Feststellung der geografischen Nordrichtung (siehe Polaris-Azimut).

Für diesen Stern ist eine Vielzahl von Namen überliefert, was seine große Bedeutung in den verschiedensten Kulturkreisen widerspiegelt: Stella Polaris oder nur Polaris sowie Nordstern; bei den Griechen der Antike hieß er Phoenice („der Phönizische“), andere Namen sind Alruccabah (arabisch ar-Rukkabah „der Reiter“), Angelstern, Cynosaura, Cynosura (griechisch Κυνόσουρα „Schwanz des Hundes“), Lodestar, Mismar, Navigatoria, Tramontana, Kutup Yıldizı (türkisch für „Polstern“), Çulpan und Poljarnaja. Ein anderer Name für den Polarstern ist auch Nordpolarstern.
Die systematische Bezeichnung in der Astronomie ist α Ursae Minoris oder kurz α UMi (bzw. Alpha UMi).
Polaris ist ein visueller Doppelstern mit einem Begleiter der scheinbaren Helligkeit 9m in 18,4″ Abstand, der 1780 von Wilhelm Herschel entdeckt wurde. Der Hauptstern selbst ist nochmals doppelt, konnte aber erst 2006 mit Hilfe des Hubble-Weltraumteleskops optisch als solcher aufgelöst werden. Die beiden Komponenten weisen einen Winkelabstand von 0,17 Bogensekunden auf.
Einige Zeit wurde der Hauptstern als pulsationsveränderlicher Stern der Klasse der Cepheiden mit einer Helligkeitsschwankung zwischen 1,92m bis 2,07m und einer Periode von 3,9 Tagen angesehen. Seit etwa 1980 klingen diese Schwankungen aber langsam ab und betragen inzwischen nur noch etwa 0,01m bis 0,02m. Durch die Eigenbewegung des Polarsterns entfernt sich dieser mit einer Geschwindigkeit von 17 km/s von der Erde. Bis zur Entdeckung seiner Veränderlichkeit diente Polaris auch als Bezugsstern (Nullpunkt) für die Skala der scheinbaren Helligkeit.
Die Komponenten des engen Doppelsterns werden systematisch als Polaris Aa und Polaris Ab bezeichnet, der Begleiter als Polaris B. Der Hauptstern des Systems, Polaris Aa, ist ein Überriese und etwa 2000-mal so hell wie die Sonne. Er gehört zu den Cepheiden und ist gleichzeitig mit 430 Lichtjahren Abstand zur Sonne das nächste Exemplar dieser Sternklasse. Polaris Ab ist ein Zwergstern, der Polaris Aa in einem Abstand von ca. 20 AE (3 Milliarden Kilometer) innerhalb von etwa 30 Jahren in einem retrograden Orbit umkreist. Zwei weitere potenzielle Begleiter in 43″ (C) und 83″ (D) Abstand gehören sehr wahrscheinlich nicht zum Sternsystem.
Der Polarstern befindet sich derzeit nur etwa 0,7° vom nördlichen Himmelspol entfernt und ist daher auf der Nordhalbkugel der Erde ganzjährig sichtbar (zirkumpolar), auf der Südhalbkugel hingegen nie. Aufgrund seiner Polnähe wird er seit langem als freiäugige Orientierungs- und Navigationshilfe verwendet. Man kann mit seiner Hilfe einen Kompass überprüfen oder in der Schifffahrt den Kurs eines Schiffs (z. B.: Breitensegeln).
Er scheint für Beobachter ohne Fernrohr das ganze Jahr über immer am gleichen Ort zu stehen; seine Höhe am Himmel entspricht ungefähr dem (nördlichen) Breitengrad, auf dem der Beobachter sich befindet. Als Stern mit einer scheinbaren Helligkeit der 2. Größe fällt er jedoch nicht sofort ins Auge und ist keineswegs, wie häufig irrtümlich angenommen, der hellste Stern des Himmels. Die nächsten helleren Sterne sind etwa 30° entfernt in den Sternbildern Kassiopeia und Großer Bär; der Teil des Großen Bären, der den Großen Wagen bildet, wird häufig als Hilfe zum Auffinden des Polarsterns herangezogen (siehe unten).
Am südlichen Sternenhimmel gibt es keinen Stern vergleichbarer Helligkeit in Polnähe; als Pendant des Polarsterns kann dort Polaris Australis (σ Octantis) angesehen werden, ein viel schwächerer Stern mit einer scheinbaren Helligkeit von 5m.
Die Erdachse im Raum ist nicht stabil, sondern führt eine langsame Kreiselbewegung aus. Mit einer Periode von ca. 25.700 Jahren, dem platonischen Jahr, bewegt sie sich um den Pol der Ekliptik, der im Sternbild des Drachen liegt. Dieser Vorgang wird als Präzession bezeichnet; sie führt zu einer Verschiebung der Himmelspole. Arabischen Astronomen galt deshalb ursprünglich der Stern Kochab als der Polarstern, türkischen Astronomen Yildun. Etwa 2.800 v. C. diente Thuban als Polarstern.
Der Polarstern bewegt sich gegenwärtig durch diese Verschiebung der Koordinaten noch geringfügig in Richtung Himmelspol; den geringsten Abstand von ihm wird er im Jahre 2102 mit 0° 28′ 31″ 0,4753° erreichen, um sich danach wieder langsam von ihm zu entfernen. In etwa 12.000 Jahren wird dann die Wega der neue Polarstern sein. Der Hauptstern im Sternbild Leier war es bereits in der Steinzeit vor etwa 14.000 Jahren. Anhand der Ausrichtung mancher Megalithen lässt sich dieser Effekt nachvollziehen.
Das Sternbild Großer Bär bzw. Großer Wagen ist sehr deutlich und in nördlichen Breiten ganzjährig am Himmel zu sehen. Verlängert man die gedachte Verbindungslinie zwischen den beiden hellen hinteren Sternen des Großen Wagens (über dessen »Hinterachse«) um etwa das Fünffache, gelangt man fast direkt zum Polarstern, der ca. 1,5 Monddurchmesser neben der gedachten Linie liegt.
Eine andere Variante ist, zwischen dem ersten und dritten Deichselstern (je nach Jahreszeit und Beobachterposition) des Großen Wagens und dem Mittelstern der Kassiopeia eine Linie zu ziehen. Der Polarstern befindet sich in etwa in der Mitte dieser Verbindungslinie.
Bei beiden Methoden besteht die Möglichkeit des Versehens, den Polarstern mit einem der beiden „Hinterachsensterne“ des Kleinen Wagens zu verwechseln. Hilfreich ist hingegen, dass weder unter- noch oberhalb des Polarsternes ein vergleichbar heller Stern zu erkennen ist.
Die Lage des Großen Wagens und der Cassiopeia (wie auch die aller anderen Sternbilder) hängt wie erwähnt ab von der Jahreszeit, der Uhrzeit und dem Breitengrad des Beobachters (siehe auch Sternzeit).
Die Koordinaten des Polarsterns:
Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der NASA und des 45-jährigen Bestehens des Deep Space Network der NASA wurde am 4. Februar 2008 der Beatles-Song Across the Universe in Richtung des Polarsterns ausgestrahlt. Der Song wurde als MP3 codiert und mit Hilfe der Madrider Deep-Space-Antenne abgestrahlt. Etwa im Jahr 2440 wird Across the Universe die Polarsternregion erreichen.
Eine schematische Darstellung der Lage am Himmel findet sich auch auf der Flagge Alaskas.

Jean Bollack

Jean Bollack (* 15. März 1923 in Straßburg; † 4. Dezember 2012 in Paris) war ein französischer Altphilologe und Philosoph.

Jean Bollack wurde in eine elsässisch-jüdische Familie geboren und ist zweisprachig aufgewachsen. Er studierte klassische Philologie an der Universität Basel, u.a. bei Peter von der Mühll und Albert Béguin, und ab 1945 an der Universität Paris, wo er bei Pierre Chantraine arbeitete.
Von 1958 bis 1992 war er Professor für griechische Literatur und Philosophie an der Universität Lille. Dort gründete er das Forschungszentrum für Philologie und Hermeneutik (Centre de recherche philologique) und an der Maison des Sciences de l’Homme (Paris) ein Zentrum für die Geschichte der Interpretation. Seine von zahlreichen bedeutenden Schülern getragene Forschungsrichtung wird als École de Lille bezeichnet. Mit dem Dichter Paul Celan verband ihn eine enge Freundschaft.
Die Philologin Mayotte Bollack war seine Ehefrau und zugleich enge Mitarbeiterin.
Schwerpunkte der Arbeiten Bollacks waren die antike griechische Tragödie und Philosophie, die Hermeneutik und Literaturtheorie, die Geschichte der Philologie und der Universitäten sowie die moderne und zeitgenössische Literatur. In all diesen Bereichen geht es ihm darum, eine „allgemeine Philologie“ herauszuarbeiten.
Zur griechischen Tragödie und Philosophie
Zur Hermeneutik
Zur Geschichte der Philologie
Zu Paul Celan