Trampolinturnen

Trampolinturnen oder Trampolinspringen heißt die Sportart, bei der auf einem Trampolin (in der Regel ein großes Trampolin oder ein Doppelmini-Trampolin) geturnt wird. Zudem gibt es noch das Tumbling.
In Österreich ist der offizielle Name dieser Sportart Trampolinspringen.

Die erste allgemeine Form des Trampolinspringens war das Hüpfen auf einer Matratze. Das Trampolinturnen nahm seinen Anfang im Zirkus. Hier war für die Hochartisten ein Sicherheitsfangnetz unter dem Arbeitsplatz aufgebaut, das trampolinähnliche Eigenschaften aufwies. Die Hochartisten ließen sich zum Abschluss ihrer Darbietungen in das Netz fallen und turnten dort als Zugaben noch einige Salti. So kam man auf die Idee, dieses zu einer eigenständigen Nummer auszubauen, und stellte zu diesem Zweck spezielle Geräte her. So erbaute der US-Amerikanische Hochartist George Nissen Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts das zu seiner Zeit beste Sprunggerät. Später gründete er die erste Firma, die Trampoline professionell herstellte und damit weltweit bekannt wurde. Noch heute trägt die Veranstaltung „Nissen Cup“ seinen Namen. In den USA erfolgte somit auch die rasanteste Entwicklung des Trampolinturnens.
In Deutschland baute Albrecht Hurtmanns 1951 in Süchteln eine erste „Wurfmaschine“. Ein Gestell aus Eisenrohren, das Tuch aus Rolladengurten vernäht und mit Fahrradschläuchen gespannt, diente es in seinem Verein ASV Süchteln als Sprunggerät. Dr. Heinz Braecklen und Mitarbeiter an der jungen Sporthochschule in Leipzig entwickelten 1953 ebenfalls ein Trampolin als Trainingshilfsgerät für Wasserspringer. 1955 konstruierte Alfred Gockel aus Altenessen zunächst ein erstes, instabiles Modell aus Holz.
Schließlich wurden die schon professionellen amerikanischen Geräte 1958 zum Deutschen Turnfest in München u. a. durch Georg Nissen vorgestellt. Doch zunächst wurden erste Anträge der jungen Disziplin auf Mitgliedschaft im Internationalen Turnerbund (FIG) zu dessen Kongressen 1959 und 1961 abgelehnt. Zu einem Treffen der ersten Trampolin-Nationen kam es 1964 auf Initiative des Deutschen Turner-Bundes in Frankfurt am Main. Daraus wurde die Gründungsversammlung des Internationalen Trampolin-Verbandes F. I. T.
Im gleichen Jahr fanden die I. Welttitelkämpfe in London statt. 1996 gab es die XIX. Weltmeisterschaften in Vancouver, 1998 fanden sie in Sydney statt, 1999 gab es in Sun City, Südafrika, zum zweiten Mal nach 1974 Trampolinweltmeisterschaften in Afrika.
Am 1. September 1997 beschloss das Internationale Olympische Komitee in Lausanne, Schweiz, endgültig die Aufnahme der Trampolin-Einzelkonkurrenzen in das offizielle Programm der Olympischen Spiele 2000 in Sydney.
Beim Trampolinturnen können auf guten Geräten Sprunghöhen von bis zu 9 Metern erreicht werden. Daher sind Sicherheitsmaßnahmen unverzichtbar. Insbesondere im unorganisierten Freizeitsport wird dies allzu oft vernachlässigt, was beim Sturz von Gerät insbesondere mit dem Kopf voran leicht mit dem Tode enden kann. Im organisierten Vereinssport stellen sich Mitturner zu einer sogenannten Sicherheitsstellung rund um das Gerät auf und erlernen das richtige Verhalten beim „Abgang“ eines Springers. Sehr verbreitet und bei Wettkämpfen obligatorisch ist die Methode, das Gerät rund herum mit weichen Großmatten auszustatten. Diese Matten sind so ausgelegt, dass man in der Regel einen Sturz aus großer Höhe verletzungsfrei übersteht. Eine dieser Matten wird von der Sicherheitsstellung bewacht und kann bei misslungenem Sprung auf das Trampolin geschoben werden und beugt so Verletzungen vor. Dieses Verfahren nennt man im Fachjargon „Schiebematte“. Auch bei Wettkämpfen kommt dies zum Einsatz. Über eine Anwendung entscheidet auch dort die Sicherheitsstellung.
Insbesondere beim Erlernen neuer Sprünge hält ein mitspringender Helfer ein Handtuch fest, das stramm um die Hüfte des Schülers gewickelt ist. Das Festhalten kann auch an der Kleidung des Schülers geschehen. Diese Methoden begrenzen sich jedoch auf das Erlernen eines einfachen Saltos und erfordern vom Helfer für eine gute Sicherung ausreichende Erfahrung. Bei komplizierteren Sprüngen kommt die Decken-Longe und die Schiebematte zum Einsatz.
Barfüßiges Springen birgt die Gefahr eines Verfangens der Zehen in den Maschen des Sprungtuches. Einfache Strümpfe helfen hiergegen, bergen aber in der Regel eine Rutschgefahr. Wichtig ist daher eine leichte Fußbekleidung mit rutschfester Sohle, wie zum Beispiel Gymnastikschuhe. Diese sorgen für größere Hygiene und halten gleichzeitig den Fußschweiß vom Tuch fern und vermeiden dessen Alterung und Unansehnlichkeit.
Insbesondere bei hochstehenden Wettkämpfen im Trampolinturnen erreichen die erwachsenen und erfahrenen Springer Sprunghöhen von bis zu 9 Metern. Durchschnittliche Schulhallen weisen in der Regel nur eine Höhe von bis zu 6 Metern auf und sind daher für Training und Wettkampf ungeeignet.
Eine Übung auf dem Trampolin umfasst 10 Sprünge, was 10 Tuchberührungen entspricht. Sie wird aus dem Anspringen mit dem ersten von einem Strecksprung abweichenden Sprung begonnen. Erlaubt sind Landungen auf beiden Füßen, im Sitzen (Sitzlandung), auf dem Rücken (Rückenlandung) oder auf dem Bauch (Bauchlandung). Der letzte Sprung einer Übung muss immer in den Stand geturnt werden. Eine gute Übung zeichnet sich zum Einen durch eine sichere korrekte Ausführung und gestreckte Körperglieder aus, bewertet als Haltung, zum Anderen durch eine hohe Schwierigkeit. Übungen werden einzeln oder in einem Synchronwettkampf zu zweit auf nebeneinander stehenden Geräten geturnt.
Die Haltungsnoten werden von 5 Kampfrichtern bestimmt. Für 10 perfekte Sprünge kann man pro Kampfrichter 10 Punkte bekommen. Von diesen 10 Punkten werden die Haltungsabzüge subtrahiert. Die höchste und niedrigste Haltungsnote werden gestrichen und die verbleibenden drei Noten ergeben in der Summe die Haltungsnote. Für die Ermittlung des Schwierigkeitswertes sind ein bis zwei Kampfrichter zuständig, die gemeinsam einen Schwierigkeitswert berechnen (siehe Schwierigkeitsberechnung). In Synchronwettkämpfen wird die Haltung jedes der beiden Turner von zwei Kampfrichtern bestimmt, von deren insgesamt vier Noten ebenfalls die höchste und niedrigste Note gestrichen werden. Die Synchronität bewerten 3 Kampfrichter, deren nach den Streichungen verbleibende mittlere Note verdoppelt in das Gesamtergebnis eingeht. In Einzelwettkämpfen wird zusätzlich von einem speziellen Gerät die Sprunghöhe auf 5/1000 gerundet gemessen. Ein extra für dieses Gerät zuständiger Kampfrichter zeigt das Ergebnis auf.
Es wird unterschieden in Pflichtübungen und Kürübungen. Pflichtübungen sind 10-teilige Übungen mit vorgegebenen Elementen. Kürübungen werden aus 10 beliebigen und verschiedenen Sprungelementen kombiniert. In den Kürübungen gilt es, den Schwierigkeitsgrad der Elemente in Kombination mit der Ausführung dieser zu optimieren. Ein Wettkampf hat im Normalfall 3 Durchgänge:
Die Schwierigkeit eines Sprunges wird durch die Anzahl der Rotationen um die Körper-Längsachse (Schrauben) und die Körper-Querachse (Salto) bestimmt. Hierbei ist die Stellung des Oberkörpers maßgeblich. Ein seitlich gesprungener Salto (Radschlag in der Luft, sogenannter Araber) erfordert ein ausgeprägtes Gleichgewichtsempfinden, wird nur von wenigen beherrscht, gilt als unfallträchtig und ist im offiziellen Wettkampfsport nicht vorgesehen.
Sprünge bei denen sich der Oberkörper seine Stellung nicht verändert zählen Null Punkte. Hierzu gehören der Stand-, Grätsch-, Hock-, Bück-, Grätschwinkel- (kombinierte Grätsche/Bücke) sowie der Sitzsprung.
Ein Sprung vom Stand in die Rückenlandung zählt als 1/4 Salto rückwärts und wird somit mit 0,1 Punkten in der Schwierigkeit bewertet. Ein Sprung vom Stand in den Sitz hat keine Schwierigkeitswertung, da weder eine Schraube noch ein Viertelsalto (keine Oberkörperbewegung) gesprungen wurde.
Hier einige Beispiele:
a = gestreckte Position, b = gebückte Position, c = gehockte Position, rw = rückwärts, vw = vorwärts
Den aktuellen Schwierigkeits-Weltrekord hält seit dem 12. Juni 2010 Jason Burnett (CAN). Er zeigte einen Schwierigkeitsgrad von 18,8 Punkten beim Nissen-Cup in der Schweiz.
Pflichtübungen des Deutschen Turner-Bundes (DTB) (EDV-Nummern 611 – 919) Stand: 2015 Die Pflichtübungen gehen von P1–P9 und M5–M10 (M=Meisterklasse)
Die folgenden Sprünge müssen in einer 10-teiligen Übung in beliebiger Reihenfolge enthalten sein:
Es müssen 10 verschiedene Sprünge sein. Die anderen Übungsteile können frei gewählt werden, jedoch muss die Übung eine Mindestschwierigkeit von 3,4 Punkten haben.
10 verschiedene Übungsteile, die folgenden 4 Pflichtsprünge an beliebiger Stelle:
Maximal drei Sprünge mit weniger als 270° Saltorotation.
10 verschiedene Übungsteile, die folgenden 4 Pflichtsprünge an beliebiger Stelle:
Maximal zwei Sprünge mit weniger als 270° Saltorotation.
Zehn verschiedene Übungsteile, mindestens 9 davon mit mindestens 270° Saltorotation. Folgende 4 Bedingungen/Pflichtsprünge müssen in unterschiedlichen Sprüngen erfüllt und mit einem Sternchen auf der Wettkampfkarte markiert werden:
Zehn verschiedene Übungsteile, jedes mit mindestens 270° Saltorotation. Folgende 4 Bedingungen müssen in unterschiedlichen Sprüngen erfüllt und mit einem Sternchen auf der Wettkampfkarte markiert werden:
Zehn verschiedene Übungsteile, mindestens 9 davon mit mindestens 270° Saltorotation. Folgende 4 Bedingungen müssen in unterschiedlichen Sprüngen erfüllt und mit einem Sternchen auf der Wettkampfkarte markiert werden:
Zehn verschiedene Übungsteile, jedes mit einem Minimum von 270° Saltorotation
Im Spitzenleistungsbereich werden bei internationalen Wettkämpfen Kürübungen aus Dreifachsaltos und überwiegend Doppelsaltos gezeigt. Die Turnerinnen und Turner führen innerhalb kürzester Zeit zahlreiche schnelle und komplexe Bewegungen aus und landen dennoch aufrecht, sicher und bereit für den nächsten Absprung. Dabei werden Sprunghöhen von mehr als 5 Metern über dem Trampolinniveau erreicht, die mit Belastungen des mehrfachen Körpergewichts während des Kontakts mit dem Gerät im Wechsel mit der Schwerelosigkeit verbunden sind.
Die größte Schwierigkeit in der Beherrschung solcher Sprunghöhen liegt darin, die bei der Rückfederung des Trampolintuchs freiwerdende Energie zu kontrollieren, exakt in Aufwärtsrichtung zu lenken, und nicht etwa darin, sich kräftig genug abzustoßen. Dies ist nur mit ausgezeichneter Stabilisierung, der sogenannten Spannung, des gesamten Körpers möglich, woran die Muskelgruppen des Schultergürtels und des gesamten Rumpfes wesentliche Anteile haben.
Die Absprungphase ist für die Ausführung eines einzelnen Sprungs entscheidend, denn nur hier können aufgrund des Kontakts mit dem Gerät die Richtung und der Drehimpuls der Bewegung beeinflusst werden. Die Arme werden möglichst senkrecht nach oben gehalten. Schon eine kleine Abweichung davon führt bei der hohen Beschleunigung zu sehr großen Haltekräften. Daneben werden im Absprung durch schnellkräftiges Beschleunigen der Beine nach vorne (Schienbeindruck) oder hinten (Fersendruck) Saltorotationen in Rückwärts- bzw. Vorwärtsrichtung erzeugt.
Die Flugphase ist unterteilt in die Einleitung, in der Schraubrotationen erzeugt werden sowie ggf. zu von der Streckung (a-Position) abweichenden Körperpositionen wie Bücke (b-Position) oder Hocke(C-Position) übergegangen wird, sowie die sogenannte Öffnung, innerhalb derer für die Landung wieder eine gestreckte Position eingenommen wird. Durch Veränderungen der Körperhaltung können die Salto- und Schraubrotation beeinflusst werden. Eine asymmetrische Verlagerung der Arme wandelt zwischen Salto- und Schraubrotation, was physikalisch bestätigt ist.
Die faszinierende Komplexität der schwierigen Sprünge wie zum Beispiel ein Doppelsalto rückwärts mit eingehender 1/2 Schraube und ausgehenden 1 1/2 Schrauben (im Kurzjargon „1/2 ein – Rudi aus“ genannt) ist möglich durch große Anteile an nicht bewusst gesteuerten Bewegungen. Hierzu werden Sprünge im Training sehr oft wiederholt, so dass Bewegungsabläufe als Automatismus programmartig ausführbar sind und bewusst lediglich kurz angestoßen werden müssen. Bei neuen Sprüngen kann auf bereits Erlerntes zurückgegriffen werden. Diese Methode funktioniert nicht nur bei Leistungsturnern, jeder durchschnittlich begabte Sportler ist grundsätzlich fähig, einen einfachen Salto zu erlernen. Die Trainer sind für die Leistungen der Turner bedeutend, denn die richtige Vermittlung und Kontrolle der Sprungtechniken ermöglichen optimale Fortschritte und die stetige Erhaltung der Fähigkeit, Haltung und Schwierigkeit zu steigern.
Verschiedene Sprünge haben Eigennamen bekommen, da dies die Unterhaltung über die Sprünge deutlich erleichtert.
Ein Quatriffis b ist die bisher höchste je in einem Wettkampf gesprungene Schwierigkeit.
Trampolinturnen ist im Deutschen Turner-Bund (DTB) mit seinen Unterstrukturen eingegliedert. Auf den jährlichen Deutschen Meisterschaften werden die Deutschen Meister auf dem Trampolin in den Disziplinen Einzel, Synchron, Mannschaft und auf dem Doppel-Mini-Trampolin im Einzel ermittelt.
Die Trampolin-Bundesliga existiert seit 1973. Seitdem werden jährlich die Deutschen Vereinsmeister ermittelt.
1986 gelang der deutschen Nationalmannschaft der Gewinn der Weltmeisterschaft in Paris.
In Österreich ist Trampolinspringen im Österreichischen Fachverband für Turnen (ÖFT) organisiert.
International wird das Trampolinturnen genauso wie Allgemeines Turnen, Gerätturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Sportaerobic und Sportakrobatik durch die Fédération Internationale de Gymnastique (FIG, Internationaler Turnverband) und die Union Européenne de Gymnastique (UEG, Europäische Turnunion) vertreten.
In Europa gibt es bislang drei Trampoliner, die in die sog. Hall of Fame aufgenommen sind. Anna Dogonadze (Deutschland), Irina Karavaeva (Russland) und Alexander Moskalenko (Russland) konnten in den Einzelwettbewerben sowohl die Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und die Olympischen Spiele gewinnen.
Seit 2000 (Sydney) ist Trampolinturnen (Einzel) olympische Disziplin. Die ersten deutschen Trampolinturner bei den Olympischen Spielen waren Anna Dogonadze und Michael Serth.
Für die Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen starteten Anna Dogonadze sowie der Weltmeister von 2003 Henrik Stehlik für die deutsche Mannschaft. Anna Dogonadze errang dabei das erste Trampolin-Gold für Deutschland. Henrik Stehlik erreichte den Bronze-Rang. Damit war Deutschland die erfolgreichste Trampolin-Nation bei den Olympischen Spielen 2004.
Bei der Premiere im Jahr 2000 waren zunächst je zwölf Männer und Frauen am Start. Ab 2004 wurde das Teilnehmerfeld auf je 16 erhöht.
Die bisherigen Olympiasieger
Frauen
Männer
Daneben finden regelmäßig Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, sowie große internationale Cups wie zum Beispiel Ostseepokal, Nissen-Cup, Grenzland-Cup etc. statt. Auch eine World-Cup-Serie gibt es. Diese geht über zwei Jahre und es finden in jedem Jahr fünf bis acht Wettkämpfe in verschiedenen Ländern statt. Bis zum Jahr 2008 wurde diese Serie mit dem World-Cup-Finale abgeschlossen. Danach wurde auf das Finale verzichtet, da seit 2009 die Weltmeisterschaften jährlich stattfinden. Lediglich in den Jahren der Olympischen Spiele gibt es keine Weltmeisterschaften.
Das Trampolin wird beim Wasserspringen als Trainingsgerät eingesetzt. Sprünge können so mehrfach hintereinander gesprungen und Bewegungsabläufe automatisiert werden. Im Winter ist das Trampolin Ersatz für fehlende Sprunganlagen im Hallenbad.
Verbände
Olympiasieger im Trampolinturnen
2000 • 2004 • 2008 • 2012
2010 • 2014
1996

Runaway (Lied)

Runaway ist ein 1960 von Del Shannon und Max Crook geschriebenes Lied, das in der Version von Del Shannon ein internationaler Hit und ein Nummer-eins-Hit in den Billboard Hot 100 wurde. In den Niederlanden kam das Lied auf Platz 2 der Charts. Es wurde 2004 von der US-Musikzeitschrift Rolling Stone auf Platz 466 der 500 Greatest Songs of All Time gewählt.
Der Sänger und Gitarrist Del Shannon und der Keyboarder Max Crook spielten zusammen in einer Band, die 1960 einen Plattenvertrag gewann. Crook hatte zu dieser Zeit ein auf der Clavioline basierendes Instrument, das Musitron, erfunden. Nachdem die ersten Aufnahmen für den Plattenvertrag nicht besonders erfolgreich waren, wurden sie von ihrem Manager überredet, ein bereits früher geschriebenes Lied Little Runaway neu aufzunehmen und den charakteristischen Klang des Musitrons in den Vordergrund zu stellen. Das Lied wurde 1961 veröffentlicht und sofort ein großer Erfolg. Durch einen Auftritt der Band in der Show von Dick Clark, American Bandstand, erreichte das Lied schließlich den ersten Platz der US-amerikanischen Charts. Kurz darauf wurde das Lied auch ein Nummer-eins-Hit in den UK-Charts. Eine Neuaufnahme aus dem Jahr 1967 erreichte jedoch nicht die Billboard Hot 100. Im Jahr 1986 diente eine weitere Neuaufnahme als Titelmelodie für die US-Krimiserie Crime Story.
Das Lied wurde vielfach gecovert, unter anderem von den Traveling Wilburys, Elvis Presley, The McCoys, Bonnie Raitt, den Small Faces und Queen + Paul Rodgers (2008). 1975 erreichte der Sänger Dave mit Vanina, einer frei übersetzten Variante, Platz 1 in den französischen Charts.

Außenthermometer

Ein Außenthermometer dient zur Messung der Lufttemperatur außerhalb eines Gebäudes. Es ist allerdings schwierig, ohne eine spezielle Wetterhütte – wie sie die Meteorologen verwenden – einigermaßen verlässliche Werte zu erhalten. Bei Unachtsamkeit sind Messfehler von 2–4 °C keineswegs ungewöhnlich.
Die meisten Außenthermometer sind nach wie vor Ausdehnungsthermometer, die mit Alkohol oder Quecksilber gefüllt sind. Auch Bimetall-Thermometer sind verbreitet, jedoch etwas ungenauer und oft für Erschütterungen empfindlich. Am besten sind meist die Ausführungen als Messfühler, deren Sensoren überwiegend mit Halbleiter- oder Thermoeffekt arbeiten.
Genaue Temperaturmessungen sind nur in bewegter Luft möglich, weshalb das Außenthermometer so montiert werden muss, dass es nicht von stehender Luft umgeben ist – d. h. in geeigneter Entfernung vom Gebäude. Ebenso wichtig ist die Vermeidung von Sonnenstrahlung, weshalb es immer im Norden des Gebäudes anzubringen ist. Dennoch könnte es auch hier im Sommer für zweimal 2 Stunden in der Sonne sein, die bei uns zwischen Mai und August fast im Nordosten aufgeht und fast im Nordwesten unter. Im Allgemeinen ist daher die Fensterlaibung eines Nordfensters am besten geeignet, auf die auch frühmorgens oder abends der Schatten von Bäumen fällt.
Neben der Eigenwärme des Gebäudes (gegen die schon einige Zentimeter Abstand vom Fensterglas helfen) kann auch die Rückstrahlung eines Nachbargebäudes die Messung um 1–2 °C verfälschen. Empfehlenswert ist auch ein Vergleich mit einem geeichten Instrument, z. B. einem guten Schleuderthermometer. Der systematische Fehler von marktüblichen Außenthermometern liegt nur bei teuren Exemplaren unter 1 °C und kann durchaus 2–3 °C erreichen.
Bei der Ablesung selbst ist darauf zu achten, waagrecht auf die Thermometer-Skala zu blicken. Andernfalls kann ein Parallaxenfehler von 1 °C und mehr entstehen. Eine Ablesegenauigkeit von 0,5 °C ist relativ leicht zu erreichen, wenn man sich die Horizontale vorstellt, oder das Spiegelbild des eigenen Kopfes im Fensterglas erkennt.
In summa lässt sich feststellen, dass man bei Beachtung einiger Regeln die wahre Lufttemperatur unschwer innerhalb von ± 1 °C erhält, und bestenfalls auf 0,5 °C. Bei einer Montage des Außenthermometers an ungünstiger Stelle und ohne Vergleich mit einem geeichten Instrument können die Werte 3–4 °C falsch sein, wozu noch der allfällige Strahlungseinfluss der Sonne käme.
Die Angleichung eines Thermometers an die Lufttemperatur braucht eine gewisse Zeit, die von einigen Minuten bis zu einer halben Stunde dauern kann (bei einem Sensor etwas kürzer). Diese Zeit wird bei Wind wesentlich verkürzt. Bei einem Zimmerthermometer kann man sich einfach behelfen, indem man es mit dem gestreckten Arm hin- und her schwenkt. Schon nach etwa 20 Sekunden hat sich die Über- oder Untertemperatur um 50 % an die Luft angeglichen, nach weiteren 20 s auf ein Viertel (eine Art Halbwertszeit).
Die Schätzung der Lufttemperatur kann bei Windstille und entsprechender Erfahrung auf 1–3 °C genau gelingen. Die gefühlte Temperatur bei Wind wird jedoch durch den Windchill erheblich kälter eingeschätzt.
Das Temperaturmaximum des Tages tritt in Deutschland gewöhnlich zwischen 13 und 15 Uhr MEZ ein, bei Sommerzeit zwischen 14 und 16 Uhr. Das Temperaturminimum kann zeitlich stärker schwanken, weil es neben der Jahreszeit auch stark von der nächtlichen Abkühlung und der Bewölkung abhängt. Im Durchschnitt tritt es etwas vor Sonnenaufgang ein.
Heute sind Außenthermometer auch schon in viele Autos eingebaut. Der beim Start angezeigte Wert ist im Sommer bei Sonneneinstrahlung zu hoch, kann aber nach kalten Nächten durch die Ausstrahlung auch zu niedrig liegen. Auch jedes größere Flugzeug ist mit einem bis zwei Außenthermometern ausgestattet. Vereinzelt kann man auch durch Beachten der Temperaturänderung eine Art meteorologische Navigation betreiben, beispielsweise bei der Ortung des Jetstreams.

Jasnogorsk

Jasnogorsk (russisch Ясногорск) ist eine Stadt in Russland in der Oblast Tula. Sie liegt am Fluss Waschana, einem rechten Nebenfluss der Oka, rund 35 Kilometer nördlich der Oblasthauptstadt Tula sowie 160 km südlich von Moskau entfernt. Jasnogorsk ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Rajons (Landkreises) und hat 16.795 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).

Die Stadt Jasnogorsk wird erstmals in schriftlichen Urkunden aus dem 15. Jahrhundert erwähnt, damals als eine Siedlung namens Laptewo, welche vermutlich nach einem dort ansässigen Gutsherr mit dem Familiennamen Laptew benannt worden war. 1867 erlangte Laptewo einige Bedeutung beim Bau der Eisenbahnstrecke von Moskau nach Tula und weiter südlich nach Kursk; es entstand hier ein Bahnhof, der im Folgenden auch als Umschlagplatz für den Holztransport diente. In den 1880er-Jahren gründete hier der Kaufmann Ippolit Golowin eine Fabrik zur Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen. Erst im Jahre 1958 jedoch wurde Laptewo offiziell zur Stadt und erhielt schließlich 1965 den „wohlklingenden“ Namen Jasnogorsk – wörtlich übersetzt in etwa „heitere Stadt“.
Anmerkung: Volkszählungsdaten
Im heutigen Jasnogorsk ist die Maschinenfabrik, die aus dem Betrieb Golowins hervorging, der wichtigste Industriebetrieb. Die Stadt ist von eher ländlicher, vorwiegend aus Holzhäusern bestehenden Bebauung geprägt. Der Bahnhof von Jasnogorsk mit dem aus dem 19. Jahrhundert stammenden Empfangsgebäude ist Haltepunkt für Nahverkehrszüge aus Moskau, Serpuchow und Tula.
Verwaltungszentrum: Tula
AlexinS | BeljowR | BogorodizkR | Bolochowo | DonskoiS | JasnogorskR | JefremowS | KimowskR | KirejewskR | Lipki | NowomoskowskS | PlawskR | SchtschokinoR | Sowetsk | SuworowR | Tschekalin | TulaS | UslowajaR | WenjowR
ArsenjewoR | DubnaR | KurkinoR | NowogurowskiS | OdojewR | Perwomaiski | SaokskiR | SlawnyS | TjoplojeR | TschernR | WolowoR
Archangelskoje
Liste der Städte in der Oblast Tula | Verwaltungsgliederung der Oblast Tula
Anmerkungen: S – Sitz eines Stadtkreises, R – Verwaltungszentrum eines Rajons

Jerzy Konikowski

Jerzy Konikowski (* 24. Januar 1947 in Bytom) ist ein deutscher Schachspieler polnischer Herkunft.

Er erlernte das Schachspiel im Alter von 14 Jahren. 1981 siedelte er im Rahmen einer Familienzusammenführung mit seiner Frau und seiner Tochter nach Deutschland über und bekam die deutsche Staatsbürgerschaft. Von 1982 bis zum Ruhestand arbeitete er an der Universität in Dortmund als Chemotechniker.
Im Nahschach zählte er viele Jahre zur polnischen Spitze. Er gewann einige internationale Turniere und trägt den Titel des FIDE-Meisters. In der polnischen Mannschaftsmeisterschaft spielte er 1974 (am zweiten Brett von KS Hutnik Nowa Huta), 1977 (am dritten Brett von KKSz Krakau) und 1979 (am zweiten Brett von KS Hutnik Warschau) an vorderen Brettern. In der deutschen Schachbundesliga spielte Konikowski von 1983 bis 1985 für die SG Bochum 31 und hatte von 1989 bis 1994 einzelne Einsätze für die Schachfreunde Dortmund-Brackel. Er wird bei der FIDE als inaktiv geführt, da er seit 1998 keine gewertete Partie mehr gespielt hat.
Sein Studium zum Schachtrainer hat Jerzy Konikowski an einer Sporthochschule in Warschau abgeschlossen. In der Zeit von 1978 bis 1981 war er polnischer Nationaltrainer, bei der Schacholympiade 1980 auf Malta führte er die polnische Damen-Nationalmannschaft zur Bronzemedaille. Er besitzt die Trainer–Lizenz A des Deutschen Schachbundes. Ein Jahr trainierte er Arkadij Naiditsch, heute Deutschlands Nr. 1. Ende Dezember 2010 hat er sich als Honorartrainer des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes betätigt.
Seit seinem 15. Lebensjahr widmet er sich auch dem Fernschach. Hier zählen zu seinen größten Erfolgen der 7. Platz im Finale der XLVIII. Europameisterschaft und sein Sieg im I. Sergiusz-Czerniakow-Memorial (1970–1973), damals das stärkste Fernschachturnier in Polen. Nach der Übersiedlung nach Deutschland gewann er das I. Bogdan-Śliwa-Memorial (2005–2006).
Jerzy Konikowski steht für die Entwicklung mehrerer Eröffnungsvarianten, zu deren Erforschung er sich insbesondere auch des Fernschachspiels bediente. Das Konikowski-Hardy-Gambit, das mit den Zügen 1.e2-e4 e7-e5 2.Sg1-f3 Sb8-c6 3.Lf1-b5 Lf8-c5 4.c2-c3 d7-d5!? entsteht, zählt zu seinen bekanntesten Entwicklungen.
Als Autor hat Jerzy Konikowski mehr als 100 Schachbücher geschrieben, die in Deutschland, Polen, in den USA, Italien, Spanien, den Niederlanden und Tschechien veröffentlicht worden sind. Er kommentierte Partien und schrieb Theoriebeiträge für die Deutsche Schachzeitung, Fernschach International, Rochade Europa, ChessBase-Magazin, Fernschachpost und andere Schachzeitschriften.
Auch als Schachkomponist hat er sich einen Namen gemacht. Er verfasste etwa 400 Schachaufgaben, von denen über 100 in internationalen Turnieren ausgezeichnet wurden. Acht seiner Aufgaben fanden einen Platz in FIDE-Alben, den Sammlungen der besten Aufgaben der Welt.
Lösung:
1. Dc5! Zugzwang 1. … Kf1 2. Df2 matt 1. … Kd1 2. Lg4 matt 1. … Kf3 2. De3 matt 1. … Kxd3 2. Dc4 matt Gezeigt wird eine Sternflucht des schwarzen Königs.
Für seine langjährige Mitgliedschaft im Deutschen Fernschachbund e. V. wurde ihm im Jahr 2008 die Silberne Ehrennadel verliehen. Er ist auch Träger der Silbernen Ehrennadel der Schwalbe (Schachkomposition) seit 2006. Der Polnische Schachverband hat Jerzy Konikowski 1973 mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Frente Nacional de Libertação de Angola

Die Frente Nacional de Libertação de Angola (FNLA, deutsch Nationale Front zur Befreiung Angolas) wurde 1957 als União das Populações do Norte de Angola (UPNA) („Vereinigung der Völker Nordangolas“) gegründet mit dem vorrangigen Ziel, die Interessen der Bevölkerungsgruppe der Bakongo im Nordwesten Angolas zu vertreten. Später wurde sie umbenannt in União das Populações de Angola (UPA; dt. Vereinigung der Völker Angolas). Im Laufe der 1960er Jahre wurde sie zu einer von drei nationalistischen Bewegungen, die einen Guerillakampf gegen die portugiesische Kolonialherrschaft führten. Sie ist heute eine Oppositionspartei in Angola.

Die UPNA war eine von mehreren gegen die Kolonialherrschaft gerichteten Gruppierungen, die sich in den 1950er Jahren unter den Bakongo bildeten – parallel zu ähnlichen Vorgängen in anderen Teilen Angolas. Die ethnische Orientierung der UPNA wurde überdeutlich, als sie unmittelbar nach ihrer Gründung an die Vereinten Nationen eine Petition richtete, um die Wiedererrichtung des Königreiches Kongo zu verlangen. Ihre Organisationszentrale befand sich in der Hauptstadt Zaires, Léopoldville (heute Kinshasa). Schon 1958 veränderte die UPNA jedoch ihren Kurs, begann die Unabhängigkeit Angolas zu propagieren und benannte sich in União das Populações de Angola (UPA; dt. Vereinigung der Bevölkerung Angolas) um. 1962 vereinigte die UPA sich mit einer weiteren anti-kolonialen Gruppe, dem Partido Democratico de Angola (PDA), zur FNLA. Deren Vorsitzender wurde Holden Roberto, der dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahre 2007 innehatte.
Die FNLA bildete in Léopoldville zunächst eine gemeinsame Front mit dem Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA), doch scheiterte dieses Experiment schon nach drei Monaten. Daraufhin rief die FNLA eine „revolutionäre Exilregierung Angolas“ aus (Governo Revolucionário de Angola no Exílio, GRAE). Diese vermied bewusst eine Begrenzung auf ihre ursprüngliche soziale Basis. So gehörten zu ihrer Leitung auch zwei Führungsfiguren aus der Ethnie der Ambundu und ihr Außenminister wurde Jonas Savimbi von den Ovimbundu, der spätere Gründer der UNITA. Mit Hilfe des zairischen Präsidenten Mobutu Sese Seko begann sie mit dem Aufbau eines militärischen Arms, des ELNA (Exército de Libertação Nacional de Angola, Heer zur nationalen Befreiung Angolas), das während einiger Jahre auch die Hilfe Chinas erhielt. Ein weiterer Versuch zur Bildung einer gemeinsamen Front mit der MPLA und anderen Gruppierungen, unternommen auf Drängen des Präsidenten des Kongo-Brazzaville, Fulbert Youlou, scheiterte 1962. Damit waren endgültig die Weichen gestellt für einen Unabhängigkeitskampf in Angola, den verschiedene Bewegungen neben- und gegeneinander führten.
Der Beitrag der FNLA zu diesem Kampf war zwar historisch bedeutsam, insgesamt aber gering. Schon 1961 hatte ihre Vorform UPA in den nordwestlichen Distrikten Angolas, besonders der heutigen Provinz Uíge, einen Aufstand ausgelöst, der zu einem Flächenbrand wurde und dessen symbolische Bedeutung kaum zu überschätzen war. Militärisch wurde er jedoch von den eilig verstärkten portugiesischen Truppen relativ rasch niedergeschlagen. In der Folgezeit gab es hier nur ein ganz geringes Maß an Guerillatätigkeit seitens der FNLA, obwohl diese inzwischen im Zaire, in einer ihr zugeteilten Militärbasis in Kinkuzu, über mehrere Tausende Soldaten verfügte. Im Nordwesten Angolas kam es Mitte der 1960er Jahre zu offenen Feindseligkeiten zwischen FNLA und MPLA, da letzteres in der heutigen Provinz Cuanza Norte eine Guerillabasis errichtet und dazu den Zugang über „FNLA-Gebiet“ benötigte. Ende der 1960er Jahre errichtete die FNLA (von Katanga aus) eine Guerillabasis in Ostangola, nördlich von Luena, die jedoch kaum tätig wurde. Anfang der 1970er Jahre stellte die FNLA – wie ihrerseits auch MPLA und UNITA – keine wirkliche Gefahr mehr für die portugiesische Kolonialmacht dar.
Als Portugal 1974 seine Absicht ankündigte, sich aus seinen Kolonien zurückzuziehen, drang die FNLA von Zaire aus sofort mit massiven Militärkräften nach Angola ein und demonstrierte Präsenz nicht nur im Nordwesten, dem Siedlungsgebiet der Bakongo, sondern sehr stark auch in Luanda sowie, weniger stark, in den wichtigsten Städten von Mittel- und Südangola. Ihr Versuch, Luanda zu erobern, scheiterte am Widerstand der MPLA, die inzwischen durch kubanische Truppen verstärkt worden war und die Unterstützung der Sowjetunion erhielt. Die FNLA verbündete sich daraufhin mit der UNITA, der dritten antikolonialen Bewegung. Es entwickelte sich ein blutiger Entkolonisierungskonflikt, in den aufseiten von FNLA /UNITA vor allem die USA und das Apartheidregime Südafrikas eingriffen. Gemeinsam riefen beide am 11. November 1975 in der Stadt Nova Lisboa (heute Huambo) die Unabhängigkeit Angolas aus, während die MPLA dasselbe in Luanda tat. In den folgenden Monaten gewann die MPLA-Regierung militärisch die Oberhand. Die „Gegenregierung“ in Huambo löste sich auf, ebenso wie der militärische Arm der FNLA. Diese begann ein politisches Schattendasein, während die UNITA einen Guerillakrieg gegen die MPLA-Regierung aufnahm.
Nach der Unabhängigkeitserklärung errichtete die MPLA einen Einparteienstaat nach (damals) osteuropäischem Muster. Andere politische Organisationen, auch die FNLA, hatten also keinen Platz in diesem System. Während die UNITA unter diesen Umständen den militärischen Kampf gegen die MPLA fortsetzte und so den Bürgerkrieg in Angola einleitete, nahm die FNLA daran nur im Anfang kurz teil. Es zeichnete sich bei ihr vielmehr ein Zerfallsprozess ab, der sich z. B. daran ablesen ließ, dass Holden Robert sich jahrelang nach Paris zurückzog und verschiedene führende Köpfe der Bewegung (Johnny Pinnock, Henrik Vaal Neto u. a.) zur MPLA überliefen und in Luanda Regierungsfunktionen übertragen bekamen.
Als die MPLA sich entschloss, zu einem Mehrparteiensystem überzugehen und dazu 1992 eine neue Verfassung verabschiedete, gründete sich die FNLA in aller Form als politische Partei. Bei der Parlamentswahl 1992 erreichte sie jedoch nur 2,4 % der Wählerstimmen, Holden Roberto bei der Präsidentenwahl sogar nur 2,1 %. Dieses Ergebnis spiegelte den enormen Verlust an Glaubwürdigkeit wider, den die Partei unter den Bakongo erlitten hatte. Daraus ergab sich für die FNLA die akute Gafahr, in die Bedeutungslosigkeit zu versinken. Eine gewisse Aufwertung erfuhr sie, als das MPLA 1997 die Initiative ergriff, eine „Regierung der nationalen Einheit und Versöhnung“ (Governo de Unidade e Reconciliação Nacional, GURN) zu bilden, an der auch Minister von FNLA und UNITA teilnahmen. Die Lage der FNLA verschärfte sich jedoch, als sich 1999 innerhalb der Partei zwei Flügel herausbildeten, der eine „präsidententreu“, der andere geführt von Lucas Ngonda, einem Dozenten für Soziologie an der Universidade Agostinho Neto in Luanda. Als Holden Roberto 2007 starb, wurde zunächst Ngola Kabangu, eine der historischen Führungsfiguren der FNLA, zu seinem Nachfolger gewählt, doch wurde dessen Wahl 2009 vom Verfassungsgericht für ungültig erklärt. Noch 2009 wurde jedoch Lucas Ngonda zum Vorsitzenden gewählt, aber seine Gegner fochten die Wahl an und das Verfassungsgericht erklärte 2010 auch seine Wahl für ungültig. Inzwischen war bei der zweiten Parlamentswahl im Jahre 2008 der Stimmenanteil der FNLA auf 1,11 % geschrumpft. Sie ist damit zwar noch mit 3 Abgeordneten im Parlament vertreten, hat aber politisch jedes Gewicht verloren. bei den Wahlen zur Nationalversammlung Angolas 2012 wiederholte sie in etwa das Ergebnis von 2008, errang damit aber nur noch 2 Sitze.

Egypte (Schiff, 1896)

bis 1907: Wolfsburg
Die Egypte war das erste Frachtschiff, das von der Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft „Hansa“ (DDG „Hansa“) an die belgische Reederei Armement Adolph Deppe in Antwerpen verkauft wurde. Die belgische Reederei erwarb bis 1909 noch zwei Schwesterschiffe der Egypte. Sie war 1896 von Sir Raylton Dixon & Co. in Middlesbrough an die DDG „Hansa“ als Wolfsburg für den Dienst zum La Plata geliefert worden. Die Werft lieferte noch zwei weitere Schiffe an die Bremer Reederei. Zu dieser Bauserie gehörte als erstes Schiff noch die 1907 abgelieferte Sonnenburg, die bei Wigham & Richardson in Newcastle gebaut worden war.
Ab 1907 ersetzte die Bremer Reederei diese Schiffe durch Neubauten. Das erste von Dixon gelieferte Schiff Rudelsburg wurde als Babylon an A. C. de Freitas & Co. für den Dienst bei der Deutschen Levante Linie (DLL) verkauft. Die drei anderen Schiffe gingen bis 1909 an die belgische Reederei Armement Deppe, die sie mit ihrer Tochtergesellschaft Compagnie Nationale Belge de Transports Maritimes ebenfalls im Verbund mit der DLL einsetzte.
Die in Egypte umbenannte Wolfsburg ging schon am 20. Februar 1909 vor Patras nach einer Kollision mit dem griechischen Dampfer Andreas verloren.

Anfang 1897 erhielt die DDG „Hansa“ von britischen Werften vier neue Schiffe von über 2500 BRT und 3700 tdw für ihren La Plata-Dienst. Sie ersetzten allmählich die kleineren Schiffe der ab 1889 in Flensburg und Dänemark beschafften Schiffe der Wartburg-Klasse, die ab 1899 an andere Reedereien verkauft wurde.
Die Wolfsburg war das zweite von Sir Raylton Dixon & Co. in Middlesbrough gelieferte Schiff der drei von dieser Werft gelieferten Schiffe der Serie. Es waren die letzten Lieferungen der Werft in Middlesbrough an die DDG Hansa, die zwischen 1893 und 1896 acht Neubauten von der Werft erhielt. Das vierte Schiff der neuen Südamerikafrachter lieferte die Werft Wigham & Richardson, der künftige Hauptlieferant der Bremer Reederei.
Die unter der Baunummer 418 entstandene Wolfsburg lief am 30. Dezember 1895 vom Stapel. Sie hatte eine Länge von 98,45 m Länge über alles und war 12,9 m breit und hatte einen Tiefgang von bis zu 4,44 m. Sie und ihre Schwesterschiffe waren die größten bislang für den Südamerika-Dienst der Reederei beschafften Schiffe. Angetrieben wurde das Schiff von einer 3-Zylinder-Dreifach-Expansionsmaschine von 1200 PSi, die eine Geschwindigkeit von 9,5 Knoten (kn) ermöglichte. Die Wolfsburg war mit 2489 BRT vermessen und hatte eine Tragfähigkeit von 3700 tdw. Am 17. Januar 1896 wurde das Schiff ausgeliefert. Namensgeber war die Burg Wolfsburg in Niedersachsen (damals Provinz Hannover).
Die Wolfsburg wurde auf der Linie der DDG „Hansa“ zum Rio de La Plata eingesetzt. Ab 1905 begann der Ersatz der älteren Schiffe durch die größeren Neubauten der Marksburg-Klasse und so wurden die Wolfsburg und ihre Schwestern ab 1907 verkauft. Das erste Schiff ging an eine mit der Deutschen Levante-Linie zusammenarbeitenden deutsche Reederei. Die Wolfsburg und ihre verbliebenen Schwestern wurden an die belgische Reederei Armement Deppe verkauft. Diese Reederei arbeitete ebenfalls mit der DLL zusammen.
Die zuerst an Armement Deppe verkaufte Wolfsburg wurde in Egypte umbenannt. Schon am 20. Februar 1909 ging sie auf einer Reise von Antwerpen nach Varna mit einer Stückgutladung vor dem griechischen Hafen Patras nach einer Kollision mit dem griechischen Dampfer Andreas verloren.
Das 1908 angekaufte Schwesterschiff Algerie (ex Minneburg) und die nach dem Verlust der Egypte 1909 angekaufte Tunesie (ex Sonnenburg) blieben bis Mitte der zwanziger Jahre im Dienst der belgischen Reederei, die nach Ende des Ersten Weltkriegs sechs ehemalige Schiffe der DDG Hansa erwarb.
Mitte der zwanziger Jahre verkaufte Armement Deppe die beiden alten Schiffe an neue Eigner in Italien.

Sławomir Nitras

Sławomir Witold Nitras (* 26. April 1973 in Połczyn-Zdrój) ist ein polnischer Politiker der Platforma Obywatelska (Bürgerplattform).
Sławomir Nitras besuchte eine Mittelschule in Koszalin. Er studierte an der Universität Stettin und schloss diesen mit einem Diplom in Politik ab. Daran schloss er eine Tätigkeit als Assistent der Hochschule am Fachbereich für Politologie und Philosophie an. 1996 trat er der Stronnictwo Konserwatywno-Ludowe (Konservative Volkspartei) bei. 1998 wurde Nitras Mitarbeiter im Kabinett des Woiwoden der Woiwodschaft Koszalin. 1998 wurde er in den Sejmik der neu gebildeten Woiwodschaft Westpommern gewählt und blieb dort bis 2002. Zugleich arbeitete er von 1999 bis 2002 für das französische Unternehmensgruppe Lafarge. Er war dort in Biały Bór für die Kruszywa Koszalin S.A. Leiter für Produktion und Verkauf von Baufüllmaterial. 2001 trat er in die Platforma Obywatelska ein. Nach der Geburt seiner jüngsten Tochter gründete er sein eigenes Unternehmen, das sich auf die Lieferung von Baufüllmaterial und Bitumen spezialisierte. Das Unternehmen hatte kurz nach der Gründung finanzielle Probleme und wurde 2005 geschlossen. Bei den Parlamentswahlen 2005 konnte Nitras mit 14.238 Stimmen erstmals ein Mandat für den Sejm erringen. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen 2007 trat er im Wahlkreis 41 Szczecin erneut an und konnte mit 65.776 Stimmen erneut einen Sitz im Sejm erringen. Er arbeitete dort in den Kommissionen für Staatsvermögen und Wirtschaft. Bei der Europawahl 2009 trat Sławomir Nitras an und konnte mit 107.413 Stimmen ein Mandat erringen. Damit endete seine Mitgliedschaft im polnischen Sejm am 10. Juni 2009.
Im Europäischen Parlament gehört er sowohl der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) sowie u. a. der Wirtschafts- und Währungskommission und der Delegation des Europäischen Parlaments im Parlamentarischen Kooperationsausschuss EU-Russland an.
Von 1991 bis 1993 war er Mitglied der Union der Realpolitik und während der Jahre 1996–2001 gehörte er der Konservativen Volkspartei an. Seit 2001 ist er Mitglied der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska) und gehört dem Landesvorstand an, seit 2003 ist er Vorsitzender der Bürgerplattform (Platforma Obywatelska) in Szczecin und seit 2006 ist er der stellvertretende Vorsitzende dieser Partei in der Region Westpommern (Zachodniopomorskie).
Sławomir Nitras ist verheiratet und hat zwei Kinder.

John Gobbi

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John Gobbi (* 25. September 1981 in Faido) ist ein schweizerisch-italienischer Eishockeyspieler, der seit Mai 2013 beim Lausanne HC in der Schweizer National League A unter Vertrag steht.

Gobbi stammt aus der Juniorenabteilung des HC Ambrì-Piotta, wo seine Eltern das Stadionrestaurant führen. Nachdem er sämtliche Juniorenmannschaften der Tessiner durchlaufen hatte, kam Gobbi in der Saison 1999/2000 zu seinem ersten Einsatz im Fanionteam. Insgesamt absolvierte er in jener Saison 14 Partien in der ersten Mannschaft, blieb allerdings noch ohne Scorerpunkt.
Während der Saison 2001/2002 wurde Gobbi, der als einer der härtesten Verteidiger im schweizerischen Eishockey gilt, zwischenzeitlich für insgesamt 22 Partien an den HC Sierre in die Nationalliga B ausgeliehen, kehrte allerdings wieder zu seinem Stammverein zurück. Da der Trainer des Ligakonkurrenten Genève-Servette HC Chris McSorley Gobbi schon länger beobachtet hatte, wechselte dieser zur Saison 2004/05 in die Westschweiz, wo er sich zum Nationalspieler entwickelte. Im Sommer 2011 wechselte er zu den ZSC Lions. Im November 2012 kehrte er bis zum Saisonende 2012/13 zu seinem Stammverein HC Ambrì-Piotta zurück. Zur Saison 2013/14 wurde er vom NLA-Aufsteiger Lausanne HC unter Vertrag genommen.
Seit dem Jahre 2007 wurde Gobbi immer wieder ins erweiterte Kader der Nationalmannschaft für die jeweiligen Weltmeisterschaften aufgenommen, verpasste jedoch den letzten Cut jedes Mal und musste als überzählig wieder nach Hause reisen. Anlässlich der Weltmeisterschaften 2011 in der Slowakei verletzte sich jedoch sein Genfer Teamkollege Goran Bezina im Spiel gegen Kanada an der Schulter und konnte im weiteren Turnierverlauf nicht mehr eingesetzt werden, was den Schweizer Nationaltrainer Sean Simpson dazu bewog, Gobbi nachzunominieren.
Torhüter: Pascal Caminada | Cristobal Huet  Verteidiger: Jannik Fischer | Joel Genazzi | John Gobbi (C) | Matteo Nodari | Federico Lardi | Larri Leeger (A) | Philipp Rytz | Ralph Stalder | Dario Trutmann  Angreifer : Benjamin Antonietti | Gaëtan Augsburger | Daniel Bång | Florian Conz | Nicklas Danielsson | Thomas Déruns | Simon Fischer | Etienne Froidevaux (A) | Yannick Herren | Juha-Pekka Hytönen | Ossi Louhivaara | Alain Miéville | Louis Leblanc | Harri Pesonen | Paul Savary | Eric Walsky  Cheftrainer: Heinz Ehlers  Assistenztrainer: Rikard Franzén | Yves Sarault   General Manager: Sacha Weibel

Museum Langmatt

Das Museum Langmatt ist ein Kunstmuseum in Baden im Kanton Aargau in der Schweiz. Es befindet sich in einer Fabrikantenvilla der Jahrhundertwende und ist bekannt für seine umfangreiche Sammlung von Gemälden des französischen Impressionismus.

Um 1900 gaben Sidney Brown und seine Frau Jenny, die aus der Winterthurer Fabrikantenfamilie Sulzer stammte, den Architekten Karl Moser und Robert Curjel den Auftrag für den Bau eines Wohnhauses in Baden. Sidney Brown arbeitete als technischer Leiter in der nahe gelegenen Firma Brown, Boveri & Cie., welche sein Bruder Charles zusammen mit Walter Boveri 1891 gegründet hatte. Die Eheleute hatten bereits im Jahr 1896 bei ihrer Hochzeitsreise nach Paris Eugène Boudins Bild Wäscherinnen erworben und zählen somit zu den ersten Sammlern in der Schweiz, die moderne französische Malerei sammelten.
In den nächsten Jahren lag ihr Sammlungsschwerpunkt zunächst auf Malern der Münchner Schule wie Ludwig von Herterich, Leo Putz und Franz von Stuck. Für diese, teils grossformatigen Bilder, wurde 1906 ein Galeriebau an das Haus angefügt. Durch die freundschaftliche Beziehung zu dem aus Winterthur stammenden und in Paris lebenden Maler Carl Montag wandelte sich das Interesse der Browns hin zu den modernen französischen Malern. Die Werke der deutschen Künstler wurden veräussert und der Aufbau der Impressionistensammlung begann. Darüber hinaus erwarben die Browns kostbare Möbel, Porzellan, Uhren, Silber und Bücher.
Das Haus wurde nicht als Museum geplant, sondern diente als privater Rückzugsraum. Nur wenige Besucher hatten die Möglichkeit, die Bildersammlung zu sehen. Nachdem im April 1938 bei einer Ausstellung in Paris ein von den Browns ausgeliehenes Gemälde von Daumier gestohlen wurde, verliehen sie nur noch selten Bilder, sodass viele Werke über Jahrzehnte einer breiten Öffentlichkeit verborgen blieben. Nach dem Tod ihres Sohnes John A. Brown 1987 wurde die Villa und ihre Sammlungen in eine Stiftung eingebracht und ist seit 1990 als Museum geöffnet.
Ab 1908 begann das Ehepaar Brown regelmässig in Paris Bilder der französischen Impressionisten zu erwerben. In wenigen Jahren trugen sie Werkgruppen von Eugène Boudin, Camille Corot, Edgar Degas, Paul Cézanne und Camille Pissarro zusammen. Allein von Pierre-Auguste Renoir konnte das Sammlerpaar 22 Gemälde erwerben. Hinzu kamen Werke von Pierre Bonnard, Mary Cassatt, Gustave Courbet, Henri Fantin-Latour, Paul Gauguin, Claude Monet, Odilon Redon, Alfred Sisley und Vincent van Gogh. Ab 1919 gelangten zudem einzelne Werke von Fragonard und Watteau in die Sammlung.
Die Langmatt ist neben einem Kunst- auch ein Wohnmuseum. Die Originaleinrichtung des Hauses ist weitgehend erhalten, sodass im Museum Langmatt ein Beispiel bürgerlicher Wohnkultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu besichtigen ist.
Mary Cassatt: L’Enfant bleu
Eugène Boudin: Laveuses au bord de la Touques
Paul Cézanne: Blick auf L’Estaque
Camille Corot: Ariccia, Palazzo Chigi
Gustave Courbet: Sitzender Hund auf Kissen
Edgar Degas: Weiblicher liegender Akt auf Teppich
Paul Gauguin: Stillleben mit Fruchtschale und Zitronen
Claude Monet: La Débâcle de la Seine
47.4811111111118.3077777777778Koordinaten: 47° 28′ 52″ N, 8° 18′ 28″ O; CH1903: 665511 / 259290